Die fünfte Ansicht. Von Gewölben, Schalen, Dächern und ihren Ingenieuren

Unter dem eindrucksvollen Glasdach des sanierten Hans-Sachs-Hauses in Gelsenkirchen zeigte das M:AI von 19. November bis 18. Dezember 2014 die Ausstellung „Die fünfte Ansicht“, die mit dem Thema Dachkonstruktionen gut zum Ort passte. Dächer zeigen auf besondere Weise die Leistungen der Bauingenieure: Es sind meist starke bauliche Zeichen, repräsentative Abschlüsse von Bauwerken und konstruktive Herausforderung zugleich. Sie sind die fünfte Ansicht eines Gebäudes.

Ein historischer Rückblick erläuterte anhand von 20 Projekten unterschiedliche Dachlösungen – von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Beispiele waren die Kuppel des römischen Pantheons, für mehr als 1.700 Jahre die größte Kuppel der Welt oder die Kuppel des Florentiner Doms. Für deren Bau erfand der italienische Baumeister Brunelleschi Hebekräne und Winden, die erst die Arbeit in schwindelerregender Höhe ermöglichten.

Auch Material spielte eine wichtige Rolle: Gusseisen, später Stahl bzw. stahlbewährter Beton revolutionierten die Baukunst und ermöglichten Ingenieuren und Architekten gänzlich neue Lösungen für kühne Konstruktionen und innovative Gestaltungen.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigte 20 Dachlösungen jüngeren Datums mit zunehmend freien, nicht mehr streng geometrischen Formen, die durch das Entwerfen am Computer beflügelt werden. Kultureinrichtungen, Stadien, Messehallen, Flughäfen und Bahnhöfe – diese gigantischen Bauaufgaben verlangen nach konstruktiven, aber auch eleganten Lösungen, die immer größere Räume möglichst stützenfrei überspannen. Zusätzlich sind nachhaltige und ökologische Lösungen gefragt, Hightech-Materialien eröffnen dafür neue Möglichkeiten. Aber auch der alte Baustoff Holz wird heute anders eingesetzt, wie zum Beispiel bei der riesigen Pilzform des Metropol Parasol in Sevilla.